Jenaer Nachwuchs-Bundesligisten vor dem Saisonauftakt
Am Sonntag beginnt für die zwei Jenaer Nachwuchsbasketball-Bundesligisten die neue Saison 2017/2018. Während der JBBL-Kader von Trainer Torsten Rothämel am Sonntag 12.00 Uhr in der Halle des Jenaer Sportgymnasiums auf die OETTINGER Rockets aus Gotha trifft, empfängt die NBBL-Mannschaft von Tino Stumpf direkt im Anschluss die U19-Auswahl des Mitteldeutschen BC. Vor dem Start haben stellten sich beide Cheftrainer Torsten Rothämel (JBBL) und Tino Stumpf (NBBL) zahlreichen Fragen mit Blick auf das bevorstehende Spieljahr.
Was sind die Ziele für die Saison?
TR: Unser wichtigstes Ziel ist es, dass unsere Spieler Spaß und Freude an ihrem Hobby behalten, egal wie anstrengend die Herausforderung JBBL für unser junges Team auch immer sein mag. Wir wollen so arbeiten, dass wir das Potenzial eines jeden Spielers ausschöpfen und spielfähige Spieler für das nächste Niveau entwickeln. Wir wollen uns dadurch natürlich auch bessere Chancen erarbeiten, Spiele zu gewinnen und hoffen, dass uns der Klassenerhalt dieses Jahr gelingt.
TS: Klassenerhalt hat oberste Priorität. Weiterhin wollen wir uns weiter entwickeln und nach Platz 5 letzte Saison ist es ein ambitioniertes, aber logisches Ziel, in den Kampf um Platz 4 einzugreifen. Das würde die Chance auf Playoffs bedeuten. Zudem ist es immer ein Ziel in unserem Programm, Spieler zu entwickeln und auszubilden, die sich für die erste Mannschaft anbieten so wie letzte Saison Jan Heber.
Wie ist die Mannschaft im Vergleich zur letzten Saison aufgestellt?
TR: Unser Kader besteht aus Spielern der Jahrgänge 2002/2003 und bereits vier Spielern des Jahrgangs 2004. Aufgrund des im Schnitt recht geringen Trainingsalters unserer jungen Talente und geringer Vorerfahrungen auf hohem Spielniveau, schätze ich unsere Mannschaft als jung und unerfahren, aber absolut motiviert und lernbereit ein. Die fehlende Erfahrung wollen wir vor allem mit Leidenschaft und sehr gutem Teamspiel wettmachen. Wir haben auf jeder Postion mehrere Spieler, die sich zum Leistungsträger entwickeln und uns helfen können, unsere sportlichen Ziele zu erreichen.
TS: Wir sind insgesamt tiefer und haben gerade auf den Außenpositionen eine Menge Qualität und auch viele Spieler mit Erfahrung aus Profitrainings mit dem BBL-Kader (Schneider, Kadasi), Nationalmannschaftsmaßnahmen (u.a. unsere beiden slowakischen Nationalspieler Kadasi und Sturcel) aber auch einen ganzen Stamm aus Jungs, die mit dem 1. Regionalliga-Team Spielerfahrung sammeln. Das wird uns helfen. Trotzdem werden wir ein körperlich kleines Team bleiben und müssen dementsprechend agieren.
Auf welchen Spielstil können sich die Zuschauer freuen?
TR: Das hängt natürlich immer auch ein bisschen von den Gegnern und dem, was sie zulassen ab. Wir wollen immer mit hohem Tempo spielen und intensiv verteidigen. Unsere Mannschaft soll als starkes und aufopferungsvoll kämpfendes Team auftreten.
TS: Wir wollen vor allem schnellen und aggressiven Basketball spielen. Das passt einfach zu uns als Team am Besten. Ein mannschaftlich starker Zusammenhalt ist zudem ein wichtiger Bestandteil unseres Konzeptes und der zeichnet sich vor allem durch eine gute Ballbewegung im Angriff aus, die alle Spieler in das Spiel involviert.
Torsten, wie viel Energie bringt die Sichtung der zwei Talente Johann Walter und Oskar Franz mit ins Training hinein?
TR: Wir freuen uns natürlich und sind sehr stolz darauf, dass zwei der insgesamt vier männlichen Sichtungen aus Mitteldeutschland aus unseren Reihen kommen. Allerdings ist dies auch nur ein erster kleiner, aber sehr wichtiger Schritt der beiden Spieler in Richtung DBB und Kaderstatus. Für alle Spieler kann das natürlich nur Ansporn und Motivation sein, weiter Gas zu geben. Sicher können vor allem aber Oskar und Johann selbst mit gestärktem Selbstvertrauen und noch mehr Energie die anderen mitreissen.
Wie beurteilt Ihr die neue Aufteilung inkl. die Kräfteverhältnisse der neu geschaffenen Hauptrundengruppen?
TR: In der JBBL hat sich ja weniger die Gruppenzusammensetzung geändert, sondern vielmehr der Spielmodus: gespielt wird nur einmal "jeder gegen jeden" in der Vorrunde, dann direkt Zwischenrunde oder Relegation. Neu ist auch, dass die ersten Beiden der Relegation auch noch in die Playoffs einziehen. Mit der verkürzten Vorrunde steigt der Druck natürlich und die Tatsache, dass man nicht gegen jede Mannschaft zu Hause und auswärts spielt, kann sowohl Vorteil, als auch Nachteil sein. In unserer Gruppe sind Higherlevel Berlin und MBC vermutlich die zwei stärksten Gegner. Die Mannschaft von BLZ Berlin ist neu dabei und schwer einzuschätzen. Mit Dresden, Chemnitz und Gotha haben wir dann noch die üblichen Verdächtigen vor der Brust, die ebenfalls nicht zu unterschätzen sind. Auf jeden Fall müssen wir gleich von Anfang an wach sein und versuchen, am Limit zu spielen.
TS: Ich denke, wir haben letzte Saison in einer bärenstarken Gruppe (mit den beiden schlußendlichen Finalisten aus München) mit dem Platz 5 das Maximum erreicht. Mehr war nach der schwierigen Anfangsphase der letztjährigen Saison mit vielen Verletzten nicht möglich. Nun sind die beiden Münchner Teams in einer anderen Staffel. Nürnberg und Breitengüßbach sehe ich aktuell schon vorn, auch wenn bei Breitengüßbach immer viel davon abhängt, ob alle Leistungsträger in der NBBL eingesetzt werden oder eher im Herrenbereich. Danach hoffen wir, mit den anderen Teams auf Augenhöhe um die Plätze im Mittelfeld streiten zu können. Dafür wird sicherlich ein ordentlicher Saisonstart wichtig sein.
Wo seht Ihr eure Teams im deutschlandweiten Vergleich?
TR: Aufgrund unseres jungen und unerfahrenen Teams sehe ich uns unter den schwächeren Mannschaften, auch wenn dieser Vergleich sehr schwierig anzustellen ist. Als kleiner Standort muss es unser Ziel sein, unsere Talente mit unseren guten Bedingungen langfristig zu entwickeln und vor allem auch durch Teamentwicklung und Förderung gute Ergebnisse zu erzielen.
TS: Schwierig zu sagen – das Niveau der NBBL ist insgesamt kontinuierlich gestiegen. Es gibt ja durch die Auflagen der BBL und bald auch der Pro A viel mehr Programme als früher, die ambitioniert Jugendarbeit betreiben. Und viele Standorte haben auch massiv aufgeholt, was die Rahmenbedingungen betrifft. Wir haben unser Sportgymnasium, das gibt uns super Möglichkeiten, für die wir auch sehr dankbar sind. Aber andere Vereine schlafen auch nicht und haben das längst aufgeholt und kompensiert durch andere Modelle, wie sportbetonte Schulen und betreutes Wohnen statt Sportgymnasium und Internat. Von daher muss man sagen, dass die Top-Programme wie Bayern München oder ALBA Berlin, allein auch wegen des großen Einzugsgebietes, für uns nicht erreichbar sind. Man kann die sicher auch in einem Spiel an einem sehr guten Tag mal schlagen, aber nicht auf Dauer. Um das einmal zu verdeutlichen: Chemnitz, MBC und Jena sind in einem Radius von ca. 70 Kilometern drei NBBL-Mannschaften. Und trotzdem ist der Pool an Spielern, aus denen wir diese drei Teams rekrutieren, immer noch kleiner als der Pool an Spielern, die ALBA Berlin dafür sichten kann. Das hat mit Einwohnerzahlen und kleineren Standorten in der Peripherie zu tun – da sind wir einfach deutlich kleiner. Und trotzdem sind wir stolz auf unser familiäres Programm und froh darüber, dass wir trotzdem mittlerweile ein anerkanntest Nachwuchsleistungszentrum sind. Das hat ja nicht zuletzt auch die Zertifizierung der BBL zum Ausdruck gebracht, die wir mit einem hervorragenden Ergebnis abgeschlossen haben. Wenn dann immer mal wieder solche Highlights passieren, wie der Sieg letzte Saison am letzten Spieltag der Hauptrunde gegen den amtierenden Meister Breitengüßbach, dann ist das für uns schon eine große Auszeichnung.
Wer steht in den Teams als Leistungsträger im Fokus?
TR: Wir müssen erst einmal schauen, welche Spieler sich als Leistungsträger profilieren können. Eine neue Saison bringt immer wieder neue Impulse mit sich und Leistungen in der Vergangenheit haben wenig Bedeutung für die aktuelle Situation. Jeder Spieler muss wieder neu angreifen und versuchen, seinen Beitrag zu mannschaftlicher Entwicklung und Erfolgen zu leisten.
TS: Unsere Jungs aus dem Anschlusskader der Profis, wie Moritz Schneider und Jakub Kadasi werden sicherlich im Fokus stehen. Dazu hoffe ich, dass Julian Förster und Kristofer Krause ihre positive Entwicklung der letzten Saison bestätigen können. Interessant wird sein, welche Wirkung Dominik Shusel auf das Spiel hat. Und dann wird sicherlich der ein oder andere Junge auch überraschen und sich in den Fokus spielen, das ist ja auch das spannende in der Entwicklung der Nachwuchsspieler.
Tino, wie ist es, gleich zu Beginn der neuen Saison gegen deinen alten Arbeitgeber anzutreten?
TS: Eine schöne Randgeschichte. Ich verbinde mit dem MBC viele positive Erfahrungen und habe auch viele Spieler der jetzigen NBBL des MBC damals noch selbst trainiert. Das wird ein schönes Wiedersehen und ist sicherlich ein besonderer Reiz. Aber auch für die Spieler, denn viele kennen sich untereinander aus den Mitteldeutschen Auswahlmannschaften. Es wird also ein schönes Derby.


