Von der U16 bis zur Regionalliga - Zwischen Lücke und Aufbruch
Im Rückblick der drei Anschlusskader von Science City Jena befindet sich der Basketball aktuell in einem Zustand zwischen Lücke und Aufbruch. Während die Nesthäkchen der U16-Bundesliga in der zurückliegenden Spielzeit der Konkurrenz zu oft hinterherliefen, sich die NBBL mit einer durchaus soliden Saison die Klasse sichern konnte, überzeugte die 2. Mannschaft als Neuling in der Regionalliga gegen etablierte Konkurrenten von Anfang bis Ende. Verantwortlich für die großen Leistungsschwankungen der JBBL (U16), der NBBL (U19) und der Regionalliga-Mannschaft ist neben dem überwiegend jungen Durchschnittsalter der Spieler eine erst in den letzten fünf, sechs Jahren deutlich intensiver angeschobene Professionalisierung im Bereich der Ausbildung junger Talente.
„Wir haben eine Lücke, welche sich nicht wegdiskutieren lässt und die auf die Zeit nach dem Erstliga-Abstieg 2008 zurückzuführen ist“, sagt Tino Stumpf als Nachwuchskoordinator von Science City Jena. „Hier herrschte über geraume Zeit ein Vakuum im Jugendbasketball, welches sich durch die einzelnen Mannschaften zieht. Auch wenn wir in den letzten Jahren kontinuierlich daran gearbeitet haben, diesen Zustand zu verbessern, wir uns sowohl qualitativ als auch quantitativ stärker aufstellen wollen und werden, müssen wir akzeptieren, dass sich dieses Problem nicht von heute auf morgen lösen lässt“, so Stumpf. „Wir konnten viele Dinge anschieben, haben über das Jahr verteilt zahlreiche Camps organisiert, konnten eine Grundschulliga in Jena etablieren und nutzen jede unsere Ressourcen gezielt. Dennoch benötigt es Zeit, Geduld, die entsprechenden finanziellen Mittel und eine entsprechende Manpower, um ein stabiles Fundament zu legen, auf dem sich zukunftssicher aufbauen lässt“.
Dies hängt natürlich in erster Linie von einer entsprechenden Qualität und Quantität des Trainerstabes ab. Während Science City Jena bei der Ausbildung der Übungsleiter in den letzten Jahren deutschlandweit sehr gut entwickelte Coaches an unterschiedlichste Standorte abgab, sich einen guten Ruf als Förderungs-Standort erarbeiten konnte, stehen weitere hoffnungsvolle Talente für die schwierige Arbeit an der Seitenlinie bereits in den Startlöchern. Dennoch richten die Saalestädter ihr Augenmerk parallel auch auf die Formung eigener Spieler. „Wir müssen an den Punkt kommen der es uns erlaubt, in jedem Jahr einen Spieler wie beispielsweise Jan Heber auf höherklassigen Basketball vorzubereiten“ , sagt Stumpf. Bevor sich die Saalestädter dieser strukturellen Mission Aufbruch widmen können, ging es zunächst darum eine Strategie zu entwickeln, die den Nachwuchsbereich der Ostthüringer mit einer breiten und zukunftsorientierten Basis verankert.
Dabei richtet Science City den Blick auch über den Tellerrand hinaus. So soll zukünftig eine „Basketball-Achse“ der Städte Weimar, Jena und Gera fungieren, in der mit entsprechender Gewichtung Jena die zentrale Anlaufstelle bildet. „Wie wollen wir uns aufstellen? Wie können wir unsere stark geforderten Trainer entlasten, eine höhere Leistungsdichte auch im Aktivenbereich erzielen, unseren Verein und den Sport gleichermaßen im Freistaat voranbringen? Dies geht nur mit einer gesund aufgestellten, breiteren Basis und einer kontinuierlichen Entwicklung auf allen Ebenen. Jena allein wird dabei nicht ausreichen, um den Basketball in Ostthüringen weiter wachsen zu lassen“, sagt Stumpf. So ist das Modell eines in Weimar spielenden Science-City-Regionalliga-Teams längst keine Visionen mehr.
„Ich finde es wichtig, dass wir uns wieder primär darauf fokussieren, Spieler aus unserer Umgebung zu entwickeln und zu fördern“, sagt JBBL-Trainer Torsten Rothämel im Gespräch. Dabei hatte die von der easyCredit BBL geforderte Aufstockung der hauptamtlichen Planstellen in GmbH und Verein eine enorm positive Auswirkung auf die Entwicklung der Basketballer im Leistungs- aber auch im Breitensport. „Wir sind an jeder Grundschule in Jena vertreten, veranstalten eine eigene Schulliga, zusätzlich den MEWA School Talents Cup und zahlreiche Camps. So kommen immer mehr Kinder und Schüler aus unserem direkten Einzugsgebiet mit der Sportart in Kontakt. Uns geht es dabei nicht um ein Aufwand-Nutzen-Verhältnis im Bereich des Breitensports, sondern in erster Linie um die Steigerung der Popularität des Basketballs. Da sind wir auf einem guten Weg, aber wie überall bedeutet Stillstand gleich Rückschritt“, so Rothämel. Ein gleichermaßen wichtiger wie richtiger Ansatz, da sich entsprechende Qualität aus einem breiten Umfeld deutlich zielgerichteter rekrutieren lässt. Strukturell befindet sich Science City Jena auf einem guten Weg. In der Zukunft gilt es, die angeschobenen Prozesse umzusetzen, um erneute Lücken zu vermeiden.


